Diesen Winter war der Hofgarten weiß, im Sommer wird er grün sein. Das Stadthaus ist fast 40 Jahre schon grau, bald soll dieser Ort im Zentrum grün werden!

                                     



Wer wir sind und was wir wollen



Wir, das bin zunächst mal ich, Frank Fremerey und all die Freunde und Bekannten, mit denen ich in den letzten Jahren über die Probleme und Chancen unseres Viertels, der Bonner Innenstadt und Nordstadt, im Volksmund "Altstadt" genannt, gesprochen habe.

Da ich auf diesen Seiten häufiger von "interessegeleiteten Meinungsäußerungen" spreche, von denenen ich mich distanziere, offenbare ich hier meine Interessen, damit klar ist, worauf ich hinauswill für mich, meine Peergroup und mein Wohnumfeld.

In den letzten Jahren scheint mir, entwickelt sich die Nordstadt recht genau parallel zu dem, was ich aus nächster Nähe ab Mitte der 1980er Jahre in der Bonner Südstadt beobachten konnte: Grundstückspreise und Mieten steigen, überall wird renoviert oder luxusrenoviert, Altmieter und Altbesitzer werden verdrängt. Inzwischen ist die Situation so, dass selbst doppelverdienende Akademikerhaushalte mit Kindern sich oft die Haus- und Wohnungspreise nicht mehr leisten können. Gerade diese Gruppe ist es aber, die sich besonders in das Gemeinwesen einbringt und durch soziales Engagement das Viertel weiterentwickelt und stabilisiert. Siehe als leuchtendes Beispiel bürgerlichen Engangements die Rettung des Kindergartens "St. Helena".

Die Gefahr besteht, dass Doppelverdiener ohne Kinder und Singlehaushalte überhand nehmen, die Preis verderben und auf Dauer genau die Atmosphäre zerstören, die dieses Viertel so anziehend macht. Wie ich gerade aus den Zeitung lerne, nennt man so eine Entwicklung neumodern "Gentrifizierung".

Aktuell haben wir im Viertel eine soziale Mischung aus Studenten, Akademikern, Arbeitern und Angestellten, zugewanderter Unter- und Mittelschicht. Besonderen Charme entwickelt das Viertel dadurch, dass es hier sehr viele Kinder gibt, als besonderes Problem betrachte ich die Überzahl an (oft auch illegal) geparkten Autos und den Mangel an Grünflächen. Es gibt hier neben dem Stadthaus, das vielleicht abgerissen wird noch ein großes Brauereigelände, auf dem seit Schließung der Kurfürstenbrauerei wenig geschieht und viel leersteht und verfällt und andere Brachen.

Mein persönlicher Wunsch, den ich mit vielen anderen Familien teile, ist Wohneigentum in diesem Viertel und zwar bezahlbar, was nach einer nicht-repräsentativen Umfrage im Bekanntenkreis ca. 150 Quadratmeter für ca. 300.000 Euro bedeutet. So eine Wohnung reicht für Vater, Mutter, zwei bis drei Kinder und ein ordentliches Arbeitszimmer, wie es moderne Berufe erfordern.

Um die soziale Mischung in unserem Viertel zu stabilisieren, schwebt mir die Gründung einer genossenschaftlichen Bauherrengemeinschaft vor, die einen Teil des Stadthausgeländes und/oder des Brauereigeländes mit Null-Energie-Häusern bebauen könnte, die Platz lassen für großzügige Grün- und Spielflächen. Andere Teile können dann von "Reiche-Leute-Projekten" wie "Carlofts" und ähnlichem oder von anständigen Sozialwohnungen mit bezahlbaren Mieten für die aus den heute noch dringend sanierungsbedürftigen Gründerzeit- und Jugendstilhäusern verdrängten Mitglieder der Unterschicht bebaut werden.

Ich glaube, dass eine zu große Homogenität in einem Viertel die Umgebung ihrer Lebendigkeit beraubt und eine zu große Inhomogenität den sozialen Frieden nachhaltig stört. Wir brauchen also nicht nur "Altstadt"-Bewohner, die 500 oder 600 Tausend Euro für ihre 150 Quadratmeter anlegen können oder direkt eine Million für 300 Quadratmeter und wir sollten auch nicht die verdrängen, die nur 500 oder 600 Euro im Monat Miete zahlen können. Am Wichtigsten ist aus meiner Sicht, die gebildete Mittelschicht im Viertel zu halten, die als gute Steuerzahler sozial engagiert das Wohlergehen dieses Viertels aktiv aufrecht erhalten.

Frank Fremerey